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9 Jahre Selbständigkeit – Zeit, innezuhalten

  • Autorenbild: Mariana Blindu
    Mariana Blindu
  • 9. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Jedes Jahr am 9. Jänner nehme ich mir die Zeit, darüber nachzudenken, wie 2017 mein Weg in die Selbständigkeit begann und was ich daraus bis heute gelernt habe. Monate davor hatte ich begonnen zu planen, mir Gedanken zu machen darüber, wie mein Unternehmen heißen wird, wie mein Logo aussehen soll, wie ich nach außen treten werde, wie viel Geld ich verdienen werde … und trotzdem habe ich vieles erlebt, auf das ich mich nicht hätte vorbereiten können.


Heute, nach 9 Jahren Selbständigkeit, möchte ich ein paar Lektionen teilen, für die ich dankbar bin, sie persönlich erfahren zu haben und die heute die Basis meiner Beratung darstellen:


Ich bin damals mit zwei Gewerbescheinen in zwei unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen gestartet. Erst nachdem ich die Entscheidung getroffen habe, mich auf nur einen zu konzentrieren, habe ich begonnen zu wachsen. Ein paar Jahre später habe ich mich entschieden, meine Dienstleistungen ausschließlich Unternehmer:innen und nicht mehr Privatpersonen anzubieten. Solange Energie in mehrere Richtungen gestreut wird, bleibt das Wachstum begrenzt.

Lektion 1: Mehrere Tätigkeitsbereiche bedeuten nicht automatisch mehr Möglichkeiten. Je konkreter die Spezialisierung, desto einfacher wird die Identifikation der Kundennische und die Positionierung als Expert:in.


Entscheidungen gehören zum Unternehmertum wie der Schnee zum Winter. Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die Selbständige trainieren sollten. Viele meiner Entscheidungen habe ich getroffen, weil der eingeschlagene Weg nicht mehr mit meinen Werten übereinstimmte. Nichts raubt mir persönlich mehr Energie und Lebensfreude, als in Situationen zu sein und Dinge tun zu müssen, die sich nicht stimmig anfühlen.

Ich habe gelernt, Nein zu sagen. Ich habe einige Kund:innen bereits beim Erstgespräch und andere nach Monaten oder sogar Jahren der Zusammenarbeit verabschiedet, weil ich nicht Teil ihres Vorhabens sein wollte. Einige dieser Entscheidungen hatten schwerwiegende Konsequenzen, aber nichts war und ist mir wichtiger, als mir selbst in den Spiegel schauen zu können.

Lektion 2: Selbständigkeit ist in meinen Augen der beste Weg, sich selbst kennenzulernen. Wer seine eigenen Werte kennt und sie als Kompass nutzt, scheut sich nicht vor Entscheidungen. Nicht die Entscheidungen sind schwierig, sondern dort zu bleiben, wo man sich jeden Tag selbst betrügen muss.


Mein Weg zu Beginn meiner Selbständigkeit war sehr schwer. Frisch geschieden, mit einem Kind und ohne finanzielle Stabilität. Und je mehr Schwierigkeiten ich gemeistert habe, desto stolzer wurde ich auf mich – und desto größer und herausfordernder wurden die Aufgaben, die mir das Leben gestellt hat.

Solange ich die Schwierigkeiten gebraucht habe, um mir selbst die Bestätigung zu geben, dass ich alles bewältigen kann, bestand mein Weg aus lauter Stolpersteinen. Ich habe mir Mut, Stärke, Durchhaltevermögen und Lösungsorientierung antrainiert, und dafür bin ich heute sehr dankbar.

Lektion 3: Der Weg der Selbständigkeit darf auch leicht sein. Je bewusster wir uns werden, dass genau das, was wir sind, und genau das, was wir anzubieten haben, für manche Menschen genau richtig ist, desto leichter finden uns die passenden Kund:innen – und desto leichter wird es, Möglichkeiten und Ergebnisse zu generieren.


Business-Entscheidungen basieren auf menschlicher Kompatibilität. Ohne den Faktor Geld kleinreden zu wollen, wage ich zu sagen, dass die Zusammenarbeit mit Kund:innen, die dieselben Werte vertreten und ähnliche Ziele und Visionen teilen, langfristig weit gewinnbringender ist als die Zusammenarbeit mit jemandem, der viel zu zahlen bereit ist, wir dafür jedoch unsere eigene Seele verraten müssen.

Wo Menschen kompatibel sind, wird für jedes Missverständnis und jedes Problem eine Lösung gefunden. Dort, wo Menschen nicht miteinander können, wird für jede Situation ein Problem gefunden.

Lektion 4: Geld ist wichtig, aber nicht entscheidend. Geld ist Energie und fließt am leichtesten dort, wo Harmonie herrscht und Dankbarkeit spürbar ist.


Ich glaube nicht an Konkurrenz und Wettbewerb. Ein Business ist der Ausdruck der Persönlichkeit des Unternehmers oder der Unternehmerin. So wie wir als Menschen alle verschieden sind und unseren Platz in dieser Welt haben, glaube ich, dass auch jedes Business auf organische Weise die passenden Kund:innen finden kann.

Die Zeiten, in denen es darum ging, die Konkurrenz aus dem Weg zu räumen, damit das eigene Unternehmen Platz hat, sind längst vorbei. Heute geht es darum, gemeinsam zu arbeiten, uns gegenseitig im Wachstum zu unterstützen und gemeinsam etwas Größeres zu erschaffen. Große Krisen können wir nur gemeinsam bewältigen.

Lektion 5: Die richtigen Partner:innen zu finden und ein Kooperationsnetzwerk aufzubauen, ist eine der wichtigsten Bedingungen für Wachstum und Erfolg. Partner:innen, die das eigene Leistungsangebot ergänzen und unsere Kund:innen in ihrem Fachgebiet kompetent begleiten, sind unbezahlbar. Kund:innen an Kolleg:innen oder Partner weiterzuverweisen, wenn wir an unsere Kompetenzgrenzen stoßen, ist ein Zeichen von Reife und Verantwortungsbewusstsein – nicht von Schwäche.


Fazit:

Unser Business wächst mit unserer Bereitschaft, uns persönlich weiterzuentwickeln. Die Lektionen, die wir noch nicht gemeistert haben, spiegeln sich in unseren Business-Entscheidungen wider. Und jene, die wir bereits erfolgreich durchlebt haben, bilden die Grundlage für unseren nachhaltigen Erfolg.


Reflexionsfrage:

Welche persönlichen Lektionen zeigt dir dein Business gerade – und was laden sie dich ein, in dir selbst weiterzuentwickeln?

 
 
 

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